Karriere mit Lehre - Industrie

Das Tiroler Wirtschaftsmagazin top.tirol (Oktober 2018) hat sich die Tiroler Industrie genauer angesehen und mit ein paar Lehrbetriebe über die Lehre und den Facharbeitermangel gesprochen! Facharbeitermangel – das ist ein Begriff, der Fehlentwicklungen aufdeckt und Neuorientierung fordert.

Fachkräfte bestimmen die Zukunft

Für die Tiroler Industrie bedeuten Fachkräfte das Rückgrat:  Gerade in den zentralen Bereichen wie Produktion, Technik, Forschung und Entwicklung  (F&E). Digitalisierung, Industrie 4.0 – sie werden unsere Zukunft bestimmen. Fachkräfte müssen sie begleiten.

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Ing. Matthias Danzl von FRITZ EGGER GmbH & Co. OG in St. Johann in Tirol

„Der bereits existente und in absehbarer Zukunft verstärkt zu erwartende Facharbeitermangel ist neben der Herausforderung an das Bildungssystem vor allem eine Aufforderung an die Betriebe, die innerbetriebliche Aus- und Weiterbildung sehr ernst zu nehmen. Unternehmen müssen zunehmend selber dafür Sorge tragen, dass man aus den eigenen Reihen die richtigen Facharbeiter ausbildet und diese dann auch im Unternehmen hält.

Eine Lehre sollte gesellschaftlich den Stellenwert bekommen, den sie verdient.

Zusätzlich sind Reformen bei der Anerkennung von Facharbeitern notwendig,  dieses Image muss bereits in der Pflichtschule gepflegt werden. Die Lehre muss als Einstieg in einen dauerhaften Lernprozess eines Facharbeiters positioniert werden, sozusagen als‚ erste Stufe des Studiums zum Facharbeiter.  Damit sollte es auch gelingen, mehr Maturanten für die Facharbeiterlaufbahn zu begeistern".

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Mag. Michaela Hysek-Unterweger, Unterweger Früchteküche GmbH in Assling

„Wir bilden unsere Fachkräfte über die Lehre aus: Mit dem Lebensmitteltechniker haben wir einen jungen und sehr attraktiven Lehrberuf, den viele erst nach der Matura oder nach einer berufsbildenden mittleren Schule wählen.

Karriere mit Lehre in der Industrie

Talentierte junge Menschen müssen bei einem Lehrberuf die Herausforderung wittern, damit sie ihn gerne wählen. So kriegen wir auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die später Führungspositionen übernehmen können".


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Daniel Palmacci, MSc, GF Sandoz GmbH in Kundl

„Unsere Entwicklungs- und Produktionsstandorte in Tirol – Kundl/Schaftenau – behaupten sich erfolgreich im weltweiten Wettbewerb in einer dynamischen und äußerst wissens- und kapitalintensiven Branche. Das ist nur mit Top-Fachkräften möglich. Um hier die bestmöglich qualifizierten Mitarbeiter einsetzen zu können, bauen wir auf ein starkes hauseigenes Training-Center. Neben der klassischen Lehre forcieren wir sehr erfolgreich Matura und Lehre, Lehre nach der Matura und den zweiten Bildungsweg. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sind neben der Wirtschaft auch die Politik und das Bildungssystem gefordert.

Berufsbilder und Lehrpläne müssen rascher an die Anforderungen der Wirtschaft angepasst werden.

Englisch als Weltsprache ist in Unternehmen mit hohem Exportanteil etabliert, stellt aber für viele eine Hürde dar. Die berufliche Weiterbildung muss deutlich aufgewertet und noch stärker gefördert werden. Der zweite Bildungsweg gehört gesetzlich reglementiert. Es gilt, Qualitätsanforderungen, welche an Fachkräfte gestellt werden, zu entsprechen und Mitarbeitende durch transparente Entwicklungsmöglichkeiten zu motivieren. Hier arbeiten wir bereits mit der WKÖ und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung an entsprechenden Konzepten.“

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DI Max Kloger, Tiroler Rohre GmbH in Hall in Tirol

„Erfahrungsgemäß ist die zielführendste Maßnahme gegen den Facharbeitermangel eine eigene Lehrausbildung. Die Schwierigkeit dabei liegt vor allem in der Rekrutierung geeigneter Lehrlinge, welche wir durch Direktansprache über die Schule zu erreichen versuchen.

Die Eltern mitbeeinflussen die Berufswahl

Aber auch die Eltern potenzieller Lehrlinge sind zunehmend wichtige Adressaten, da sie die Berufsauswahl entscheidend mitbeeinflussen. In diesem Zusammenhang kann die Industriellenvereinigung wertvolle Unterstützung durch Inseratenkampagnen und Kommunikationsplattformen leisten, was zum Teil auch bereits Realität ist.“

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