Ausbildung mit Zukunft – Die Lehrausbildung in Tirol

Die österreichische Lehrlingsausbildung erfolgt nach einem dualen System. Dual bedeutet, dass die Ausbildung einerseits im Betrieb und andererseits in der Berufsschule erfolgt. So werden Theorie und Praxis sinnvoll miteinander in Einklang gebracht. Das duale System genießt einen hohen Stellenwert, da die Kombination aus fachtheoretischem Know-how und praxisorientierter Berufsausbildung ein Garant für eine optimale Berufsbasis ist.  Allein in Tirol gibt es 22 Berufsschulen, die darauf spezialisiert sind, Lehrlingen das theoretische Wissen, das sie für den Arbeitsalltag brauchen, zu vermitteln. Der Besuch einer Berufsschule ist verpflichtend und findet entweder ein bis zwei Tage pro Woche oder über mehrere Wochen hinweg geblockt statt. Mehr als 10.700 Jugendliche machen derzeit eine Lehrausbildung in über 3.300 Tiroler Lehrbetrieben.
Wichtige Entscheidung
Mit 14 Jahren stehen die meisten jungen Menschen vor der schwierigen Frage, ob sie lieber eine weiterführende Schule besuchen oder eine Lehre machen möchten. Diese Wahl will gut überlegt sein, schließlich baut oft der gesamte berufliche Werdegang darauf auf. Daher kann es nicht schaden, die folgenden wesentlichen Unterschiede der Lehre zur Schule zu kennen:
Das eigentliche Lernen findet nur zu einem Viertel in der Berufsschule statt. Den Rest der Zeit investiert man in das praktische Lernen vor Ort im jeweiligen Betrieb.
  • Die Ausbildungsaufgaben sind auf Betrieb und Berufsschule verteilt.
  • Am Ende der Lehrzeit erfolgt die sogenannte Lehrabschlussprüfung. Der Schwerpunkt dieser Abschlussprüfung liegt auf den praktischen Fertigkeiten und dem Wissen, das im jeweiligen Berufsalltag gefordert ist.
  • Man verdient sein eigenes Geld.
  • Je nach Lehrberuf schwankt die Ausbildungsdauer zwischen zwei und vier Jahren, der Großteil der Berufe sieht eine Lehrzeit von drei Jahren vor.
Doppelt macht Sinn
Auf der Universität hat man die Möglichkeit, zwei Studienrichtungen gleichzeitig einzuschlagen, also ein sogenanntes Doppelstudium zu absolvieren. In der Lehre hat man ähnliche Möglichkeiten in Form einer sogenannten Doppellehre. Das ist eine gleichzeitige Ausbildung in zwei Lehrberufen beim selben Lehrberechtigten. Mit zwei Lehrausbildungen deckt man ein breiteres Einsatzfeld ab und hält sich so mehrere Karrierewege offen.

Entscheidet man sich dafür, muss man Folgendes bedenken:
  • Eine Doppellehre muss beim selben Lehrberechtigten absolviert werden.
  • Die Lehrzeitdauer errechnet sich folgendermaßen: Man zählt die Dauer beider Lehrzeiten zusammen, teilt sie durch zwei und rechnet ein Jahr dazu. Die Ausbildungsdauer darf jedoch vier Jahre nicht überschreiten.
  • Eine Doppellehre muss sehr gut organisiert sein, denn sowohl Betrieb als auch Berufsschule müssen mitspielen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Man muss sich vorab informieren, wie sich die Berufe kombinieren lassen und wie es um zeitliche Belange bestellt ist.
  • Nicht alle Betriebe und Ausbilder dürfen die Doppellehre überhaupt anbieten.
Beispiele für kombinierbare Lehrberufe:
  • Einzelhandelskaufmann/frau und Büro–kaufmann/frau
  • Bäcker/in und Konditor/in
  • Kosmetiker/in und Fußpfleger/in
  • Dachdecker/in und Spengler/in
  • Tischler/in und Zimmerer/in
  • Maurer/in und Bautechnische/r Zeichner/in
Es geht ums Geld – die Lehrlingsentschädigung
Finanzielle Unabhängigkeit – das wünschen sich die meisten Jugendlichen. Die Lehre ebnet diesen Weg,  denn sie ist Ausbildungs und Arbeitsverhältnis in einem. Daher haben Lehrlinge im Gegensatz zu Schülern das Recht auf Entlohnung,  die sogenannte Lehrlings–entschädigung.

Folgendes sollte man darüber wissen:
  • Die Höhe der Lehrlingsentschädigung ist normalerweise im Kollektivvertrag geregelt und steigt mit jedem Lehrjahr.
  • Wenn es keinen Kollektivvertrag gibt, muss die Lehrlingsentschädigung individuell im Lehrvertrag vereinbart werden.
  • Die Höhe kann zwischen den einzelnen Lehrberufen, aber auch zwischen den Berufsbranchen stark variieren. Ein/e Industriekaufmann/frau kann daher unterschiedlich viel verdienen, je nachdem, ob er in der Bauindustrie oder in der Bekleidungsindustrie tätig ist.
  • Kollektivverträge können sich regional bedingt voneinander unterscheiden.
  • Man wird auch während der Zeit in der Berufsschule und für die Dauer der Lehrabschlussprüfung entlohnt.
  • Für bestimmte Fälle der Arbeits–verhinderung (Krankheit, Unfall etc.) ist die Lehrlingsentschädigung in einem bestimmten Ausmaß weiterzuzahlen. Außerdem ist man während der Lehrzeit umfassend versichert.
Einen Überblick über die kollektivvertraglichen Mindestsätze nach Lehrberufen und Branchen findest du im Internet unter: www.ewaros.at/lehrlingsentschaedigung

Bausteine für die modernisierte Lehre

Um die Erfolgsgeschichte der Lehre auch in Zukunft fortschreiben zu können, versucht man in Österreich stets, das duale Ausbildungs–system den aktuellen wirtschaftlichen Gegebenheiten in der Arbeitswelt anzupassen. Damit diese Anpassung noch besser funktioniert, wurde die Vermittlung von Lehrinhalten seit 2006 in einigen Lehrberufen modularisiert. Das bedeutet, dass die Lehre in bausteinartiger Form aufgebaut und aus drei Teilen zusammengesetzt ist:
  • Grundmodul: Das Grundmodul vermittelt die Kenntnisse und Fertigkeiten, die man für die Ausführung grundlegender Tätigkeiten eines Lehrberufs braucht. Das Modul ist verpflichtend und dauert mindestens zwei Jahre, in Ausnahmefällen auch eines.
  • Hauptmodul: Das Hauptmodul baut auf das Grundmodul auf und umfasst die Kenntnisse und Fertigkeiten, die für die Ausübung der gewählten Fachrichtung notwendig sind. Es beinhaltet die typischen Qualifikationen eines Lehrberufs und dauert mindestens ein Jahr.
  • Spezialmodul: Im Spezialmodul werden Kenntnisse und Fertigkeiten für spezielle Dienstleistungen und Produkte bzw. deren Herstellung vermittelt. Es umfasst einen Ausbildungszeitraum zwischen einem halben und einem ganzen Jahr. Je nach Kombination der Module ergibt sich eine Lehrzeit von mindestens drei Jahren und höchstens vier Jahren.
Durch diesen bausteinartigen Aufbau kann die Ausbildung flexibler gestaltet werden, wovon sowohl Betrieb als auch Lehrlinge profitieren.
Alle Lehrlinge eines Modullehrberufs müssen das Grundmodul absolvieren und ein Hauptmodul wählen. Darüber hinaus können sie auch in einem weiteren Haupt– oder Spezialmodul ausgebildet werden. Wichtig ist, dass die Modulwahl bereits am Beginn der Lehrzeit mit dem Betrieb abgesprochen wird. Ein Wechsel während der Lehre ist grundsätzlich möglich, bedarf aber einer Änderung des Lehrvertrags. Außerdem sollte man beachten, dass nicht jedes Hauptmodul automatisch mit einem anderen Hauptmodul oder einem Spezialmodul kombinierbar ist. Mehr Infos zu den modularisierten Lehrberufen unter: www.bic.at

Folgende Berufe sind Modullehrberufe:
  • Installations- und Gebäudetechnik
  • Werkstofftechnik
  • Kraftfahrzeugtechnik
  • Holztechnik
  • Elektrotechnik
  • Bekleidungsgestaltung
  • Glasbautechnik
  • Elektronik
  • Metalltechnik
  • Labortechnik
  • Mechatronik