Die Lehre als Karrieresprungbrett

Welche Aufstiegschancen ein Lehrabschluss bietet, beweisen beispielhaft drei erfolgreiche Tiroler Persönlichkeiten. Das Tiroler Wirtschaftsmagazin top.tirol (Ausgabe Jänner 2017) hat sie gefragt, warum sie sich für eine Lehre entschieden haben und was aus Ihrer Sicht erfolgsentscheidend ist.

 Josef Piegger (54)...

...ist Geschäftsführer der von seinen Eltern gegründeten Landmetzgerei Piegger, zu der drei Filialen, die Messegastronomie sowie ein Cateringservice gehört. Im Schnitt ist er für 65 Mitarbeiter zuständig. Piegger war vor 36 Jahren zum ersten Mal auf der Messe Innsbruck vertreten, hat dann sein Angebot laufend vergrößert und ist schließlich seit zehn Jahren für die komplette Messegastronomie zuständig.
Sieben bis zehn Tonnen Fleischwaren pro Woche gehen in der Metzgerei über die Theke. Piegger hat das Handwerk von der Pieke auf gelernt, durfte von Kindesbeinen an daheim mithelfen, absolvierte mit 17 Jahren die Metzgerlehre und mit 21 die Meisterprüfung. Neben seiner Tätigkeit im Familienbetrieb unterrichtete er zehn Jahre lang an der Berufsschule in Innsbruck.

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Josef Piegger: "Ich bin familiär bedingt in den Beruf hineingewachsen und wollte nie etwas Anderes machen. Die hochwertige Lebensmittelbranche bietet sehr viele Entwicklungsmöglichkeiten: Ich kann ausgehend vom Wissen, das mir meine Eltern vermittelt haben, neue Produkte kreieren, die dem Bedürfnis der Kunden, sich gesund zu ernähren, gerecht werden.

Um im Metzgereibereich erfolgreich zu sein, ist Einsatz und – wie überall – Leidenschaft für den Beruf gefragt.

Zudem ist es wichtig, nach vorne zu blicken und bei Beibehaltung der Qualität, nicht stehenzubleiben. Ein weiterer Grundstein für ein erfolgreiches Unternehmen sind kompetente Mitarbeiter. In meinem Fall sind es – was die Führungspositionen betrifft – ausschließlich Familienmitglieder, die sich für die Firma engagieren und zum Erfolg beitragen. Die Arbeit ist zeitintensiv, doch die Entschädigung dafür sind zufriedene Kunden, die hochwertige Produkte schätzen.“

Eveline Wild (36) aus Inzing...

....ist vielen als Fernsehköchin und -pâtissière bekannt. Die Karriere der Konditormeisterin begann mit einer Lehre in der Konditorei Valier in Innsbruck, die sie wie auch die Meisterprüfung (2003) mit „ausgezeichnetem Erfolg“ abschloss.
Wild hat mehrere Wettbewerbe gewonnen, darunter die Berufsweltmeisterschaften in Seoul/Südkorea (2001) und ihre eigene Marke namens „Eveline Wild Chocolatier“ gegründet. Derzeit arbeitet sie im Wohlfühl- und Wellnesshotel EDER in der Steiermark, wo sie unter anderem selbst Lehrlinge ausbildet.

LehreintirolWild

Evelin Wild: "Ich war eine Einserschülerin. Meine Entscheidung für eine Lehre stieß bei vielen auf Unverständnis. Doch ich wollte etwas Kreatives und Praktisches machen – was genau, war zweitrangig. Unterstützung erfuhr ich hauptsächlich durch meine Familie. Sie ermöglichten mir die Teilnahme an Wettbewerben, die mein Selbstbewusstsein stärkten.

Ich war ehrgeizig, aber nicht verbissen und habe es auch nicht angestrebt, ins Fernsehen zu kommen, jedoch die Chance genutzt, als es mir angeboten wurde.

Die Förderung durch Führungskräfte, die Eltern oder einfach Personen, die an einem glauben, spielt eine wesentliche Rolle im beruflichen Werdegang eines jungen Menschen. Zudem braucht es Neugier, Interesse, Fleiß, ein Quäntchen Glück und letztendlich Freude an der Arbeit – dann ist es ganz egal, ob man dieser mit einem Studien- oder Meistertitel nachgeht.“

Kurt Plangger (60)...

...ist Prokurist bei UPC Tirol und Vorarlberg. Der Innsbrucker schloss 1975 die Lehre als Elektroinstallateur ab. Es folgten die Ausbildung zum Werkmeister für Industrieelektronik, eine kaufmännische Qualifizierung sowie zahlreiche Fortbildungen – zuletzt in den Bereichen Marketingmanagement und Betriebswirtschaft.
Einen im Jahr 2013 gestarteten MSA (Master of Advanced Studies) hat er aus zeitlichen Gründen auf Eis gelegt. Plangger hat sich auf der Karriereleiter sukzessive hochgearbeitet. Als Bereichsleiter bei UPC Tirol und Vorarlberg war er für bis zu 64 Mitarbeiter zuständig.

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Kurt Plangger: "Ich interessierte mich bereits in der Schulzeit für Elektronik. Als keine Lehrstellen als Radio- und Fernsehtechniker frei waren, machte ich die Lehre zum Elektroinstallateur. Ich war von Anfang an mit Begeisterung dabei und motiviert, neue Aufgaben zu übernehmen. Das merkten meine Vorgesetzten und vertrauten mir schließlich die technische Leitung bei Telesystem Tirol an. Nach der Übernahme des Unternehmens durch UPC wurde ich Bereichsleiter für den Standort Tirol.

Ich denke, dass Eigeninitiative und Interesse am Unternehmen wichtige Eigenschaften sind, um erfolgreich zu sein.

Außerdem sind fachliche Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen unerlässlich. Darüber hinaus sollte man die Angst vor Neuem überwinden, die der eigenen Entwicklung oft im Wege steht. Letztlich sind auch die Führungskräfte gefragt, Talente zu fördern und diese in ihrer Entwicklung zu unterstützen.“

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