Lehre als Holztechnikerin

In der Holzindustrie konzentriert sich der Frauenanteil vor allem auf den Büro- und Verwaltungsbereich. Doch es gibt immer mehr Ausnahmen.  Eine davon ist Sofie-Theres Hauser, die heuer ihre Lehre als Holztechnikerin beim Zillertaler Familienunternehmen Binderholz gestartet hat.

Sofie-Theres Hauser spannt sorgfältig ein rund ein Meter langes Holzbrett in eine große Maschine. Mit der sogenannten Biegebruchmaschine kontrolliert sie, welche Belastung das hier am Binderholz-Standort Jenbach gefertigte Brettschichtholz aushält. „Achtung, gleich kann es laut knacken“, warnt uns das 18-jährige Lehrmädchen.

Solche Qualitätskontrollen zählen zu den vielseitigen Aufgaben einer Holztechnikerin. In der Regel sind es Männer, die diesen Beruf erlernen und ausüben. Sofie-Theres Hauser zählt zu den wenigen weiblichen Ausnahmen. Zweite, aber richtige Wahl Sofie-Theres war immer schon eine gute Schülerin, weshalb sie nach der Hauptschule in Niederndorf zunächst die International School in Kufstein, ein Oberstufenrealgymnasium mit Hauptsprache Englisch, besuchte. Trotz der guten Noten war sie mit ihrer Entscheidung nicht ganz glücklich. „Von Anfang an fehlte mir etwas“, erzählt das junge Lehrmädchen. Da sie jedoch eine junge Frau ist, die zu Ende bringt, was sie beginnt, dauerte es zweieinhalb Jahre, ehe sie sich für eine praxisbezogene Berufsausbildung entschieden hat.

Auf Empfehlung ihres Vaters, der um ihr Talent und Interesse fü Technik wusste, nahm sie die technischen Lehrberufe genauer unter die Lupe. Sie schnupperte als Konstrukteurin und technische Zeichnerin. „Ich wollte jedoch unbedingt Einblick in die Holzbranche bekommen, da mich das Material Holz schon immer fasziniert hat“, sagt Hauser. Schließlich fand sie die Lehrstelle als Holztechnikerin bei Binderholz und bewarb sich – mit Erfolg.

Frauen in der Holzbranche
Hauser ist eine von 70 Lehrlingen, die im Holzindustrieunternehmen Binderholz in elf verschiedenen Lehrberufen ausgebildet werden. Der Großteil der Frauen bei Binderholz ist im Büro- und Verwaltungsbereich angestellt. Aber es gibt auch Frauen in der Instandhaltung und in anderen technischen Bereichen (z. B. Elektrotechnikerinnen), erklärt Alois Gruber, Leitung Aus-/Weiterbildung bei Binderholz.

Dass in den technischen Bereichen vor allem Männer arbeiten, sei historisch bedingt. „Nachdem die Forstwirtschaft früer vor allem von schwerer körperlicher Arbeit geprägt war, überwiegt in der Säge- und Holzindustrie nach wie vor der Männeranteil – auch wenn mittlerweile jeder Beruf bei uns sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt werden könnte“, weiß Gruber.

Allein unter Jungs
Im Juni dieses Jahres begann Sofie-Theres Hauser ihre Lehre. Gemeinsam mit neun weiteren Auszubildenden – Schlossern, Elektrikern, Holztechnikern und einem Betriebslogistikkaufmann – lernt sie von der Pieke auf alles zum Thema Holz und dessen Be- und Verarbeitung. Sofie-Theres ist das einzige Mädchen in dieser Gruppe für technische Lehrberufe. Das macht ihr aber nichts aus. „Ich hatte immer schon mehr Jungs in meinem Freundeskreis, daher ist es für mich nichts Neues“, sagt Hauser.
Was Sofie-Theres Hauser am Beruf des Holztechnikers fasziniert, ist den kompletten Produktionsprozess begleiten zu dürfen – von der Verarbeitung eines ganzen Baums bis zur fertig gestellten Brettsperrholz-Decke einer Turnhalle zum Beispiel.

Leidenschaft für den Beruf
Fü die Firma Binderholz sind Frauen in technischen Bereichen ein Gewinn, sagt Gruber. „Für die Teamdynamik ist es wichtig, Männer und Frauen zu beschäftigen. Sie verfügen über unterschiedliche Stärken und können sich gut ergänzen. Im Grundkurs für technische Berufe ist Sofie-Theres unsere ‚Henne im Korb‘“. Letztendlich komme es laut Gruber jedoch vor allem auf eine Sache an: „Ob das nun Frauen in Männerberufen sind oder Männer in Frauenberufen – Hauptsache, man nimmt Freude, Leidenschaft und Interesse für den Beruf mit.“ Sofie-Theres Hauser kann sich vorstellen, einen Teil ihrer Ausbildung an den anderen Binderholz-Standorten zu absolvieren, um sich möglichst viel Wissen anzueignen. Einiges hat sie in den letzten drei Monaten hier am Binderholz-Standort in Jenbach schon gelernt, etwa welch enormen Druck Holzverbindungen aushalten müssen und auch können.
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